Vergiftungsunfälle bei Kindern: Was im Ernstfall zu tun ist
Shownotes
Einmal kurz nicht aufgepasst und im nächsten Augenblick nuckelt das Kind an einer bunten Putzmittelflasche oder steckt sich eine giftige Beere in den Mund. Im Risiko-Podcast geht es dieses Mal um Vergiftungsunfälle speziell bei Kindern. Wie reagiert man in solchen Situationen richtig? Dr. David Steindl vom Giftnotruf der Charité erklärt, was hilft wirklich – und welche vermeintlichen Hausmittel mehr schaden als nutzen. Außerdem erklären wir die Idee hinter dem Deutschen Vergiftungsregister (DVR), das zurzeit am BfR entsteht und durch das sammeln von Daten zu Vergiftungsfällen helfen soll, Leben zu retten.
Gäste: Dr. David Steindl, Notarzt und Leiter Giftnotruf der Charité – Universitätsmedizin Berlin
Moderation: Sonja Schäche und Stefan Römermann
Links:
Liste der Giftnotrufzentralen und Giftinformationszentren in Deutschland
Fragen und Antworten zum Deutschen Vergiftungsregister
BfR-Presseinformationen, Deutsches Vergiftungsregister geht an den Start
BfR-App: Vergiftungsunfälle bei Kindern
Hinweis: Die im Podcast geäußerten Meinungen von externen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern geben ausschließlich deren persönliche Auffassung wieder und entsprechen nicht notwendigerweise der Position des BfR.
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00:00:04: [Musik] Risiko - Der BfR-Podcast
00:00:11: Sonja Schäche: Für viele Eltern ist es eine Horrorvorstellung. Sie gehen vielleicht mal gerade aus dem Zimmer, drehen sich um und im nächsten Moment schauen sie nach ihrem Kind und sehen: Es nuckelt an einer bunten Putzmittelflasche oder hat sich eine andere giftige oder ätzende Substanz in den Mund gesteckt. In solchen Fällen helfen die Experten am Telefon der Giftnotrufe in Deutschland besorgten Eltern weiter. Die Experten dort klären schnell, wie gefährlich die Substanz tatsächlich ist, wie groß das Gesundheitsrisiko ist und was jetzt zu tun ist.
00:00:40: Stefan Römermann: Worauf es in solchen Situationen ankommt, wie man richtig reagiert und wie die Giftnotrufe ganz konkret bei Vergiftungsunfällen helfen, das ist heute unser Thema. Und damit hallo und herzlich willkommen zu Risiko, dem Wissenschaftspodcast vom Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR. Mein Name ist Stefan Römermann.
00:00:58: Sonja Schäche: Und mein Name ist Sonja Schäche. Wir beide arbeiten als Journalisten in der Pressestelle vom BfR. Wer uns noch nicht kennt, noch mal ganz kurz, das BFR ist ein unabhängiges Forschungsinstitut, das unter anderem die Bundesregierung bei Themen wie der Sicherheit von Chemikalien und Produkten oder auch der Lebensmittelsicherheit berät.
00:01:16: Stefan Römermann: Und zum Thema Chemikaliensicherheit gehören auch die Vergiftungsunfälle, mit denen sich das BfR seit vielen Jahren beschäftigt. Aktuell entsteht am BfR eine zentrale Datenbank zu Vergiftungsfällen, das Deutsche Vergiftungsregister, kurz DVR, das im Januar offiziell an den Start gegangen ist. Wie so ein zentrales Register helfen kann, Leben zu retten und welche Rolle die Gift-Informationszentren dabei spielen, das klären wir gleich mit unserem heutigen Gast, Dr. David Steindl. Er ist Notarzt an der Charité, also der Universitätsmedizin in Berlin und er leitet den Gift-Notruf der Charité. Lieber Herr Steindl, hallo und herzlich willkommen zu Risiko.
00:01:56: David Steindl: Vielen Dank für die freundliche Einführung. Ich freue mich sehr, dass ich hier sein darf.
00:01:58: Sonja Schäche: Ja, Herr Steindl, bevor wir einsteigen, können Sie in zwei bis drei Sätzen vielleicht mal kurz sagen, was der Gift-Notruf eigentlich ist und was Sie da genau machen?
00:02:06: David Steindl: Ja, sehr gerne. Tatsächlich ist der Gift-Notruf eine Einrichtung, in der man als Bürger oder auch tatsächlich als Fachperson anrufen kann, wenn man eine Frage hat zu einer Vergiftung. Wir können eine kurze Einschätzung der Situation geben und können vor allen Dingen gut abschätzen: Ist es etwas, was man zu Hause in Ruhe weiter beobachten kann, weil gar nichts zu erwarten ist? Oder ist es eine ernstzunehmende Situation, die man nachbeobachten muss oder sogar behandeln muss? Und bei dieser Entscheidung können wir sehr, sehr schnell helfen, ohne dass komplizierte Rettungsmittel eingesetzt werden und ohne, dass eine große Kette an Personen hintendran eingeschaltet wird.
00:02:38: Sonja Schäche: Okay, also so eine Art medizinische Hotline für Vergiftung, die im Notfall hilft - und zwar nicht nur besorgten Eltern, sondern auch Ärzten und Kliniken?
00:02:47: David Steindl: Ja, ganz genau. Das ist sehr gut zusammengefasst und das ist auch tatsächlich das Spektrum, mit dem wir uns tagtäglich beschäftigen und auch nachts beschäftigen. Das heißt, wir sind wirklich 24, 7, 365 Tage im Jahr erreichbar.
00:02:57: Sonja Schäche: Habe ich das richtig verstanden? Es gibt nicht nur eine Zentrale, sondern insgesamt, ich glaube, sieben Zentralen in Deutschland, die von den Bundesländern getragen werden?
00:03:05: David Steindl: Ja, das ist ganz genau richtig. Das ist eine Landesaufgabe, aber nicht jedes Bundesland betreibt eine eigene Giftnotrufzentrale, sondern häufig mehrere Bundesländer eine Zentrale gemeinsam.
00:03:15: Stefan Römermann: Und davon ist die Charité eben eine, die für Berlin und Brandenburg zuständig ist, glaube ich.
00:03:19: David Steindl: Ganz genau. Korrekt.
00:03:20: Stefan Römermann: Heute haben Sie vor allem Leitungsaufgaben. Sie haben aber selber auch lange Zeit am Telefon gesessen und machen das hin und wieder auch heute noch, dass Sie manchmal da aushelfen, wenn ganz viele Anrufe kommen. Oder wie muss ich mir das vorstellen?
00:03:30: David Steindl: Das ist richtig. Also tatsächlich bin ich über meine klinische Tätigkeit, die vor allen Dingen ja Intensivmedizin über viele Jahre war, langsam reingewachsen in die Beratung von Vergiftungen und bin dann tatsächlich über die Leitungsaufgabe natürlich in andere Bereiche reingekommen. Ich bin aber immer noch unterstützend tätig, bin ja auch weiterhin, wie Sie es auch schon gesagt hatten, als Notarzt in Berlin tätig, wo ich diese beiden Fachbereiche, das heißt klinische Medizin und klinische Akutmedizin und die Behandlung von Vergiftungen vor allen Dingen gut kombinieren kann. Und ja, bei sehr hohem Anrufaufkommen bin ich weiterhin unterstützend tätig und bei sehr komplexen Vergiftungen unterstütze ich auch, weil ich, wie gesagt, dieses Spektrum habe aus intensivmedizinischer Erfahrung und der Behandlung von Vergiftungen.
00:04:05: Stefan Römermann: Ja, da sind schon viele spannende Stichworte gefallen. Gehen wir gleich noch intensiver drauf ein. Kommen wir noch zu einem anderen Punkt. Unser Podcast heißt nun mal Risiko. Deswegen fragen wir alle Menschen, die zu uns hier ins Studio kommen, wie Sie es denn eigentlich so mit dem Risiko im eigenen Leben halten. Herr Steindl, wie sieht das aus bei Ihnen? Gehen Sie gerne irgendwie mal ein größeres Risiko ein? Haben Sie irgendwelche riskanten Hobbys? Was für ein Risikotyp sind Sie?
00:04:27: David Steindl: Ich glaube, das Leben endet meistens mit dem Tod. Das ist das Grundsätzliche, was man einfach akzeptieren muss. Und der Punkt ist einfach, was passiert auf dem Weg dahin? Das heißt, ich würde mich nicht als übermäßig risikobereiten Menschen beschreiben. Ich gehe Risiken bewusst ein. Und ich versuche, wenn ich in Situationen bin, in denen ich irgendwelchen Risiken ausgesetzt bin, entsprechend auch so darauf zu reagieren, dass ich es einfach minimieren kann. Ich habe sehr viel Bergsport betrieben in meiner Jugend und früheren Erwachsenenzeit. Dann kamen sehr viele Kinder dazu. (lacht)
00:04:51: Stefan Römermann: Da wird man vorsichtiger?
00:04:52: David Steindl: Ja, vor allen Dingen hat man einfach keine Zeit mehr. Der Fokus verschiebt sich ein bisschen und das persönliche Risiko steigt bereits durch schlaflose Nächte und zwei- bis dreifach Belastung von anderen Dingen, sodass manche Sachen einfach aus, sag ich mal, objektiven Gesichtspunkten hinten runtergefallen sind. Ich fahre Fahrrad in Berlin, im Berliner Stadtverkehr, das ist, würde ich sagen, ein erhebliches Risiko, was ich da in Kauf nehme und darüber hinaus mache ich tatsächlich keine Extremsportarten oder besonders risikobewusstes Verhalten.
00:05:16: Stefan Römermann: Kinder und Fahrradfahren als Risikosportarten, sag ich jetzt mal. Vielen Dank soweit!
00:05:22: [Musik]
00:05:29: Sonja Schäche: Ja, dann jetzt mal zurück zum Giftnotruf. Herr Steine, wie sieht denn ein typischer Tag beim Giftnotruf der Charité aus? Wie oft klingelt da so das Telefon und wer ruft da eigentlich an?
00:05:40: David Steindl: Ja, also bei uns im Giftnotruf für Berlin und Brandenburg klingelt tatsächlich pro Tag das Telefon zwischen 140 und 240 Mal. Das ist nicht ganz vorhersehbar, es verteilt sich unterschiedlich auf die einzelnen Tagesstunden und verteilt sich auch durch die Woche relativ unvorhersehbar und hängt auch manchmal von Dingen ab, die wir gar nicht beeinflussen können. Das heißt...
00:05:57: Stefan Römermann: Was ist das?
00:05:58: David Steindl: (lacht) Großveranstaltungen, Feste, sowas wie ein Jahreswechsel oder ein großes Konzert, was zum Beispiel gerade jetzt hier in Berlin immer mal wieder auch vorkommt. Und natürlich auch Berichterstattung: Wenn es zum Beispiel Warnhinweise gibt, Rückrufe gibt oder auch tatsächlich Dinge im Umlauf sind, die Beschwerden verursachen können. Zum Beispiel kontaminierte Säuglingsnahrung. Das ist jetzt vor kurzem gerade tatsächlich vorgekommen. Oder es gibt auch immer wieder regelmäßig Rückrufaktionen, geradezu Produkten, die Kinder gerne konsumieren und natürlich von Eltern gekauft werden. Und da sind einfach unglaublich viele Sorgen und Beratungsängste. Und das ist auch vollkommen in Ordnung. Und bevor man sich da dann über Google wahnsinnig macht, einmal nachzufragen, ist das, glaube ich, beim Giftnotruf eine sehr, sehr gute Möglichkeit.
00:06:39: Sonja Schäche: Und wie lange geht denn so ein Gespräch?
00:06:41: David Steindl: Das ist tatsächlich sehr, sehr davon abhängig, wer uns anruft. Das heißt, Anrufe aus der Bevölkerung sind meistens innerhalb von so zwei bis vier Minuten sehr, sehr gut beraten, auch beruhigt. Wir können die Situation gut einschätzen, haben das dokumentiert und können den nächsten Anruf dann auch bearbeiten. Wenn es Anrufer sind, die aus dem medizinischen Fachkreis kommen, dauert es häufig deutlich länger. Da können es auch mal so zehn bis 15 Minuten pro Anruf sein.
00:07:02: Sonja Schäche: Warum rufen beispielsweise Ärzte und Kliniken an?
00:07:04: David Steindl: Die Anrufer aus dem Bereich der Krankenhäuser und Rettungsdienste, die rufen schlicht und ergreifend an, weil Vergiftung eine häufige Diagnose ist, die zur Vorstellung von Patienten führt. Aber es ist tatsächlich gar kein verankerter Bestandteil einer medizinischen Ausbildung. Weder im Bereich der Rettungsdienste noch im Bereich der klinischen Medizin und der ärztlichen Weiterbildung wird das so systematisch gelehrt, dass dort jede Ärztin, jeder Arzt oder jeder Fachangestellter aus dem Bereich der Pflege oder der Rettungsdienste automatisch weiß, was bei Vergiftung zu tun ist. Dafür braucht man tatsächlich externe Unterstützung. Und da kommt dann der Giftenruf ins Spiel.
00:07:35: Sonja Schäche: Wie laufen dann so die häufigsten Fälle ab, wenn Privatpersonen anrufen? Müssen die dann sofort ins Krankenhaus oder wie ist das so in der Regel?
00:07:43: David Steindl: Ja, da haben wir tatsächlich ganz gute Nachrichten. In der Regel ist es nicht notwendig, ins Krankenhaus zu gehen nach einer Vergiftung. Gerade wenn man aus dem Bereich der Bevölkerung angerufen wird, sind häufig die Situationen und auch die Substanzen, mit denen da ein Kontakt stattgefunden hat, so, dass nicht mit ernsthaften Symptomen zu rechnen ist. Das ist etwas, was wir hier im Giftenruf sehr, sehr gut einschätzen können. Und dann kann man in ungefähr 80 bis 90 Prozent der Fälle in der Regel eine Betreuung und Beobachtung zu Hause als abschließende Maßnahme auch empfehlen. Und das wird dann typischerweise auch durchgeführt.
00:08:11: Stefan Römermann: Also das heißt, es ist schon eine Vergiftung, aber was haben die dann typischerweise? Was sind gerade bei Kindern typische Fälle?
00:08:16: David Steindl: Genau, also tatsächlich, was dann auftreten wird, sind Dinge, die man auch typischerweise aus einer Elternperspektive schon recht gut kennt. Das kann sowas sein wie Übelkeit oder Erbrechen oder auch ein Kind, was einfach mal etwas schlapper und müder ist als ansonsten. Und einfach nicht zum Fußballtraining geschickt werden kann oder nach draußen jetzt stundenlang mit den Freunden auf den Spielplatz spielen geht, sondern einfach mal zu Hause bleiben muss für ein paar Stunden und sich ein bisschen schont. Und danach ist das tatsächlich in der Regel ausgestanden. Das heißt, wie Sie es auch schon richtig gesagt hatten: Ja, es gibt Symptome, aber keine schwerwiegenden und vor allen Dingen keine bleibenden.
00:08:43: Sonja Schäche: Können Sie da vielleicht mal Beispiele nennen, die jeder wissen sollte zur Entlastung des Notrufs?
00:08:47: David Steindl: Tatsächlich mit einer großen Perspektive zu einer Entlastung von Rettungsdiensten und auch für die Notaufnahmen ist es tatsächlich so, dass Dinge im Haushalt, die schäumen können, das heißt: Reinigungsmittel für Hände oder auch für den Boden, sind in der Regel nicht gefährlich für ein Kind, was dort einmal dran leckt oder mal ganz kurz ausprobiert, wie das schmeckt. Und mit einfachen Hausmitteln, die nämlich eine Entschäumung hervorrufen, kann man das sehr, sehr gut zu Hause auch dann weiter beobachten und es wird in der Regel nichts passieren. Und Dinge, die entschäumen können, sind tatsächlich ganz simple Sachen, so etwas wie ein Butterbrot oder andere sehr fettige Substanzen. Es geht auch mal Nutella. Das kann man sich vorstellen wie die fettige Bratpfanne, die man in ein Waschbecken mit viel Seifenschaum reinstellt. Danach ist meistens der ganze Seifenschaum irgendwie weg und so funktioniert das auch in unserem Magen, wenn wir da Seife aufgenommen haben, ist das Schlimmste, was passieren kann, dass es im Magen wirklich eine Menge Schaum gibt, den muss man hochwürgen. Das ist sehr unangenehm und unter ganz, ganz, ganz ungünstigen Umständen kann das auch mal eingeatmet werden und eine Lunge schädigen. Das ist sehr selten, aber kommt vor. Und mit solchen einfachen Hausmitteln, die den Schaum im Magen zusammenfallen lassen, kann man dann tatsächlich sehr gut eine Behandlung vor Ort auch einleiten. Es gibt auch Medikamente, die man dafür verwenden kann, die sind auch frei verkäuflich und das sind alles Situationen, mit denen muss man zum Glück gar nicht zu einer Ärztin, zum Arzt, damit muss man noch nicht den Rettungsdienst anrufen und damit muss man gar nicht in ein Krankenhaus. Und das würde tatsächlich auch einen Großteil von Anfragen und auch Einsätzen und Vorstellungsgründen auch deutlich reduzieren.
00:10:08: Sonja Schäche: 80 bis 90 Prozent der Anrufe enden mit, sie können zu Hause bleiben. Wie sieht es mit den anderen 10 bis 20 Prozent aus? Das sind denn dann wahrscheinlich eher die ernsteren Fälle?
00:10:17: David Steindl: Ja, oder tatsächlich Fälle, bei denen man es nicht richtig einschätzen kann, weil die Angaben so vage sind und die Substanzen, die da in Frage kommen, so bedenklich sind, dass man einfach eine sichere Umgebung braucht zur Nachbeobachtung, in der dann bei einer Veränderung auch eine direkte Maßnahme getroffen werden kann.
00:10:31: Stefan Römermann: Was sind das typischerweise für Substanzen oder Situationen?
00:10:34: David Steindl: Das wären zum Beispiel Blutdruckmedikamente, die auch eine deutliche Wirkung haben können. Das heißt, wenn es sehr kleine Kinder sind, die können auch mit sehr, sehr wenigen Tabletten, Dosierungen erreichen, die zum Beispiel eine deutliche Blutdrucksenkung machen. Das heißt, das würde man an den Kindern sehen. D Kinder kriegen dann einfach eine zunehmende Müdigkeit, sind nicht mehr so richtig wach und können einen sehr, sehr abfallenden Blutdruck haben. Und wenn das in so einer Maximalausprägung auch auftritt, ist das natürlich etwas, was man nicht verpassen darf, was man auch behandeln muss. Und das geht sinnvollerweise nur in einem Krankenhaus. Und deshalb gibt es einige Fälle, bei denen man von vornherein ganz klar sagen muss: da ist die Beobachtungsphase, gar nicht dann zu Hause, sondern diese Beobachtungsphase, die findet im Krankenhaus statt. Und ist aber auch, eine Phase, die wirklich der Beobachtung dient, dass da richtig Symptome auftreten, die man auch behandeln muss oder sogar auf einer Intensivstation. Das ist erfreulicherweise wirklich eine Seltenheit.
00:11:17: Sonja Schäche: Okay, aber deshalb gilt im Zweifel immer lieber anrufen und nochmal sicher gehen, dass das nichts Ernstes ist?
00:11:24: David Steindl: Ganz genau. Es geht einfach um die Einschätzung und das ist etwas, das können wir einfach gut anbieten und das sollte man unbedingt auch in Anspruch nehmen, dass man eine Einschätzung bekommen kann. Dann kann man rational entscheiden, kann auch mit seinen eigenen Sorgen besser umgehen und diese Sorgen können wir häufig auch sehr, sehr schnell nehmen.
00:11:36: Sonja Schäche: Lassen Sie sich vielleicht nochmal ganz kurz zurückkommen zu den Waschmitteln und Produkten, die es auch so im Haushalt gibt. Da kann es ja auch passieren, dass aufgeregte Eltern vielleicht anrufen und nicht wissen, was zu tun ist. Hier im BfR haben wir auch viel mit dem UFI-Code zu tun. Vielleicht können Sie nochmal ganz kurz sagen, wie der in solchen Situationen vielleicht helfen kann.
00:11:57: David Steindl: Ja, genau. Also tatsächlich, der UFI, der versucht eine Lücke zu schließen, die es häufig gibt, das aus einem Namen eines Produktes ganz häufig gar nicht gesagt werden kann. Was ist denn das eigentlich genau? Was ist denn da drin? Aus was ist denn dieses Produkt zusammengesetzt?
00:12:09: Stefan Römermann: Also dieser UFI-Code, der steht inzwischen auf ziemlich vielen Produkten mit drauf, auf chemischen Produkten, auf Reinigungsmitteln und so weiter. Fassen Sie es nochmal kurz zusammen. Also was sagt dieser Code aus?
00:12:18: David Steindl: Der Code, der hilft dabei zu identifizieren, welche Inhaltsstoffe sind in dieser Substanz drin. Das heißt, wenn wir einen Namen bekommen, ein Waschmittel der Marke so und so und das genaue Produkt XY, daraus kann man nicht unmittelbar ableiten, was auch in diesen Produkten tatsächlich enthalten ist. Vor allen Dingen, wen es neue Produkte sind oder Produkte, die noch nicht lange gebräuchlich sind, da kann man diesen Code in Softwaremaske eingeben.
00:12:37: Stefan Römermann: Also ich rufe bei Ihnen an und sage, mein Kind hat das und das verschluckt. Und dann sagt Ihr Mitarbeiter, können Sie mir mal fix den UFI-Code sagen?
00:12:43: David Steindl: Ganz genau genau. Und deswegen ist das auch ein Bereich, den man sehr gut vorbereiten kann. Das heißt, wenn man Kinder hat oder auch einfach in einem Haushalt lebt, in dem diese Produkte vorhanden sind, macht es Sinn, sich vorher damit auseinanderzusetzen, wo steht der UFI drauf, damit man den Notfall in einer Situation, die stressig ist, auch einfach schnell wiederfindet oder vielleicht schon auch zur Hand hat.
00:13:00: Stefan Römermann: Also UFI-Code sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man Kinder hat und wenn man beim Vergiftungsnotruf anruft.
00:13:06: David Steindl: Ja.
00:13:06: [Musik]
00:13:14: Stefan Römermann: Dann lassen Sie uns jetzt einfach mal ganz praktisch schauen, was kann ich bei Vergiftungsunfällen tun? Was sind tatsächlich echte Erste-Hilfe-Maßnahmen? Und was sind vielleicht sogar gefährliche Mythen, die den Menschen dann am Ende sogar noch mehr gefährden? Herr Steindl, was sollte ich machen, wenn mein Kind irgendeine möglicherweise gefährliche Substanz verschluckt hat?
00:13:36: David Steindl: Ich denke, das Wichtigste erst mal Ruhe bewahren. Gerade mit Kindern ist es so, dass sich Unruhe der Eltern oder Sorge und Angst auch ganz, ganz schnell auf die Kinder übertragen. Und dann geht es wirklich ganz klar darum: Was ist da vielleicht eingenommen worden? Wie geht es dem Kind? Und wenn das Kind keine bedrohlichen Symptome zeigt, das heißt, gut Luft bekommt und sich auch ganz normal bewegt, so wie immer noch weiterhin ganz normal wach ist, dann ist der nächste Schritt tatsächlich, diese Informationen bereitzuhalten und dann entsprechend den Giftnotruf anzurufen. Und in anderen Fällen, die ich gerade eben so ein bisschen angeschnitten habe, wenn man wirklich auch Anzeichen dafür hat, dass hier wirklich eine schwere Gesundheitsschädigung vorliegt, das heißt, das Kind ...
00:14:10: Stefan Römermann: ... gerade wenn irgendwelche Putzmittel oder so verschluckt werden oder sowas, kann ich mir ja vorstellen, dass man da relativ schnell Sachen auch sieht, oder?
00:14:16: David Steindl: Ja, tatsächlich. Das heißt, je nachdem, welche Menge eingenommen wurde, wird man sowas wie Erbrechen, wird man schon relativ schnell sehen, wenn es richtig schäumt. Aber da muss man ganz klar sagen, so wie Kinder, die erbrechen, auch ansonsten natürlich nicht auf der Stelle mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht werden, ist das auch hier so. Wie gesagt, Dinge, auf die man wirklich achten muss, sind die Kinder weiterhin wach, kriegen die Kinder weiterhin gut Luft und reagieren so, wie ich die Kinder auch kenne. Und dann hat man immer Zeit, in Ruhe erst mal zu telefonieren, um eine überhastete oder vielleicht auch nicht angebrachte weitere Behandlung auch zu vermeiden.
00:14:44: Stefan Römermann: Erbrechen haben Sie eben schon gesagt, das passiert quasi eigentlich auch schon automatisch in vielen Situationen als Selbstschutz vermutlich. Sollte man das Erbrechen auslösen? Das ist ja auch, in vielen Situationen hört man das so quasi als Tipp, das muss jetzt wieder raus, steckst du dann halt dem Kind Finger in den Hals oder so.
00:14:58: David Steindl: (lacht) Genau. Das tatsächlich bitte nie! Wenn das Erbrechen von selbst stattfindet, dann ist das vollkommen in Ordnung. Aber aktiv hervorrufen sollte man Erbrechen wirklich nie. Denn Finger in den Hals, das muss man sich einfach mal überlegen... Eine Erwachsenenhand mit einem Erwachsenenfinger im Verhältnis zur kindlichen Anatomie, da ist man ganz, ganz schnell mit einem Fingernagel hinten in der Rückwand des Rachens. Und das sind Dinge, die man häufig auch sieht, dass Kinder nämlich durch forcierte Maßnahmen, Erbrechen auszulösen, einfach auch geschädigt werden. Das heißt, sie haben Verletzungen dadurch, dass jemand versucht hat, Erbrechen auszulösen.
00:15:25: Sonja Schäche: Gut, aber was anderes ist vielleicht, wenn da was feststeckt, oder? Könnte ich mir vorstellen, und Atemnot entsteht.
00:15:31: David Steindl: Das stimmt, aber auch da muss man sagen, hat in der Hand überhaupt gar nichts mehr im Hals verloren. Denn wenn da etwas drinsteckt und der Atemweg sowieso schon enger geworden ist, dann ist das Allerletzte, was ein Kind braucht, noch zusätzlich eine Hand im Mund zu haben. Da muss man ganz klar sagen, wenn irgendwo ein Fremdkörper drinsteckt, dann sollte man husten. Wenn es vorliegt, auch aktiv unterstützen. Und wenn das Kind nicht richtig hustet, sollte man dann entsprechend auch durch leichte und dosierte Schläge auf den Rücken. Oder auch zum Beispiel, wenn das Kind übers Knie legen, wenn es noch sehr klein Und das sind Maßnahmen, die kann man sehr gut in Erste-Hilfe-Kursen für Kinder lernen. Ist auch eine Maßnahme, die wirklich allen Eltern und allen Personen, die in irgendeiner Form Kinder betreuen, auch immer noch ans Herz legen würde, das regelmäßig durchzuführen und auch aktuell zu halten, um da auch Berührungsängste abzubauen. Man kann sehr viel mit einfachen Maßnahmen helfen.
00:16:12: Stefan Römermann: Spezielle Erste-Hilfe-Kurse für Kinder klingt nach einem sehr guten Tipp. Sie haben gesagt, Erbrechen auslösen durch Finger in den Hals ist keine gute Idee. Was ist denn mit Salzwasser trinken? Das ist ja die andere klassische Methode, wenn man irgendwie Erbrechen herbeiführen will.
00:16:26: David Steindl: Wenn man als Plan für den Tag hat, sein Kind noch schwerer zu vergiften, dann kann man das natürlich tun. Aber Salzwasser einem Kind trinken zu geben, ist tatsächlich eine Vergiftung. Also Kochsalz, das hört sich ganz harmlos an und ist natürlich auch ein tolles Würzmittel. Aber die Menge, die ausreicht, um ein Kind zu schädigen, die ist relativ gering und eine richtig angerührte Salzlake, die man dann auch vielleicht nochmal in ein Kind hineinzwingt, die kann ganz schnell dazu führen, dass diese Kinder wirklich eine Salzvergiftung bekommen. Und das hört sich genauso gefährlich an, wie es auch im Endeffekt ist. Das ist tatsächlich dann häufig viel, viel gefährlicher als die eigentliche Ursache, wegen der man versucht hat, Erbrechen herbeizuführen und das Salzwasser verabreicht hat.
00:16:59: Stefan Römermann: Puh. Und was ist mit Milchtrinken? Das habe ich auch irgendwo mal gelesen.
00:17:04: David Steindl: Nein, auch das tatsächlich ist überholt. Das sollte man auch nicht tun. Das Problem ist tatsächlich, dass Milch auch eine sehr, sehr fettige Flüssigkeit natürlich ist. Das heißt, ein Teil von Substanzen kann sich darin dann auch besser lösen, kann besser aufgenommen werden. Abgesehen davon kann es auch per se durch diesen Fettgehalt auch Erbrechen, auch mit auslösen. Und ganz allgemein muss man sagen, man sollte versuchen, im Bereich des Magendarmtraktors nach der Aufnahme von Substanzen in keiner Weise von außen zu manipulieren und irgendetwas zuzufügen oder irgendetwas wegzunehmen, es sei denn, es passiert von selbst.
00:17:31: Stefan Römermann: Sie hatten aber gesagt, bei schäumenden Dingen, also wenn mal ein Kind jetzt beispielsweise schäumende Putzmittel verschluckt hat, da können irgendwelche fettigen Substanzen helfen. Sollte ich das im Zweifelsfall alleine machen oder sollte ich das auch nur machen, wenn ich jetzt, ich sag mal, den Giftnotruf wirklich an der Leitung habe die mir sagen, in der Situation: Ja, geben sie das!
00:17:49: David Steindl: Das kann man selbstständig durchführen, wenn man die Situation gut einschätzen kann. Das heißt, wenn man sich informiert hat oder vielleicht einen Podcast gehört hat und sich gemerkt hat, es war jetzt ein Handwaschmittel, was mein Kind da einfach mal probiert hat und man merkt schon, da könnte vielleicht irgendeine Art von Schaumbildung passieren. Dann kann man fettige Substanzen geben und damit ist wirklich gemeint ein Brot mit dick Butter. Oder wenn das Kind das auch isst, tatsächlich so etwas wie einen kleinen Teelöffel oder Esslöffel, je nachdem wie groß das Kind ist, mit Butter. Man kann auch andere Dinge nehmen wie Nutella, die schon per se sehr fettig sind und von vornherein süß. Und da geht es wirklich darum, dass man einfach eine gewisse Menge Fett in den Magen mit einbringt, der dazu führt, dass dieser gesamte Schaum, der sich bildet, wieder zusammenfällt.
00:18:25: Sonja Schäche: Und Öl, würde das auch gehen? Das stelle ich mir gerade leichter vor zum Abschlucken als Butter, aber…
00:18:29: David Steindl: Funktioniert tatsächlich weniger gut. Wenn man mal eine Reihenfolge aufstellen möchte, wäre der Entschäumer, der frei verkäuflich ist, wirklich exzellent. Aber ein Hausmittel, was man fast immer zu Hause hat und super funktioniert ist wirklich Butter. Wenn man sonst gar nichts anderes hat, sowas wie Nutella. Und dann als letzte Möglichkeit auch Öl.
00:18:43: Stefan Römermann: Also Entschäumer ist was, das kann man in der Apotheke kaufen. Ist das was, was, wenn man Kinder hat, in so eine Hausapotheke quasi reingehört?
00:18:50: David Steindl: Kommt ein bisschen, glaube ich, auf das Kind an. Das ist wirklich ganz ernst gemeint. Es gibt Kinder, die neigen sehr stark dazu, ihre Umgebung wirklich sehr ausgiebig zu testen und auch das auch sehr, sehr viel mit dem Mund zu tun. Und ich glaube, dass man relativ schnell merkt, wie ticken eigentlich meine Kinder. Und wenn man merkt, man hat jemanden zu Hause, der wirklich sehr gerne alles einmal ausprobiert, dann würde ich sagen, ja, dann sollte man einen Entschäumer zu Hause haben. Und vielleicht noch als kleine Präventionsmaßnahme: Auch Dinge, bei denen man Sorge hat, dass sie attraktiv werden könnten, einfach außerhalb der Reichweite platzieren.
00:19:18: Sonja Schäche: Attraktiv meinen Sie jetzt irgendwie so schöne, bunte Waschmittelkissen und sowas?
00:19:22: David Steindl: Das ist absolut richtig. Aber man muss sagen, dass leider die meisten Kosmetikprodukte und die meisten Haushaltsreinigungsprodukte, die wirken mittlerweile tatsächlich wie Süßigkeiten. Die sind meistens von den Farben unglaublich attraktiv. Auch die Darstellungen der Abbildungen, die suggerieren nicht immer automatisch, dass das Dinge sind zum Putzen oder Saubermachen. Das ist wirklich schwierig aus Kindersicht zu verstehen. Und das riecht ja auch noch so toll.
00:19:43: Stefan Römermann: Also da auf jeden Fall vorsichtig sein. Das hilft in jedem Fall. Wann rufe ich den Notruf als erstes an? Wann rufe ich den Giftnotruf an? Kann man da irgendwelche Tipps geben?
00:19:52: David Steindl: Das Wichtige ist tatsächlich zu wissen, was sind ein Anzeichen für eine lebensbedrohliche Erkrankung oder Verletzung eines Kindes oder eines Menschen? Und das ist vor allen Dingen, wenn man nicht mehr richtig wach ist, nicht mehr richtig antworten kann. Wenn man offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, vernünftig zu atmen. Und das heißt viel zu schnell atmet oder ganz langsam atmet oder gar nicht mehr atmet und sich auch nicht mehr von selbst bewegt. Wenn diese Dinge vorliegen, dann ist es ganz, ganz klar so, das ist wahrscheinlich ein medizinischer Notfall und der gehört in den Bereich des Rettungsdienstes ...112.
00:20:19: Stefan Römermann: Dann sofort die 112 anrufen.
00:20:21: David Steindl: Genau.
00:20:22: Stefan Römermann: Und wenn das Kind ansonsten ansprechbar ist, dann kann man erst mal den Giftnotruf anrufen.
00:20:27: David Steindl: Genau. Also wenn das Kind ansprechbar ist, sich ansonsten auch bewegt und auch so reagiert, wie man es kennt und auch auf den ersten Blick von außen, vielleicht abgesehen von Erbrechen oder auch eine Angabe, dass es sich nicht gut fühlt, wenn es sonst keine weiteren Beschwerden hat, dann gibt es auf jeden Fall die Möglichkeit, in Ruhe sich zu informieren. Und diese Beratung ist in so einem Fall dann am besten mit dem Giftnotruf möglich.
00:20:47: Stefan Römermann: Putzmittel und Kosmetik, wissen viele Eltern, die sollten Kinder nicht essen, nicht in den Mund nehmen, am besten außer Reichweite aufbewahren. Gibt es noch ein, zwei Dinge, Sie sagen würden, das ist gar nicht so bekannt, dass das wirklich ein häufiges Vergiftungsrisiko ist?
00:21:03: David Steindl: Ja, tatsächlich würde ich da ganz gerne nochmal auf den Bereich der Knopfzellen zu sprechen kommen. Das sind vor allen Dingen die Lithium-Knopfzellen.
00:21:09: Stefan Römermann: Diese kleinen Batterien, die....
00:21:10: David Steindl: Ja, genau.
00:21:11: Stefan Römermann: ... die in Uhren, in Spielzeug und sonst was drin stecken.
00:21:13: David Steindl: Genau, meistens flach mit einem größeren Durchmesser, aber sehr, sehr hohen Spannungen, die dort abgegeben werden können. Und die haben eine etwas ungeschickte Mischung. Punkt eins: die können gut verschluckt werden. Punkt zwei: sie bleiben trotzdem gerne stecken. Und Punkt drei: wenn sie dort in Bereichen stecken bleiben, wo es einfach feucht ist, und das ist typischerweise in der Speiseröhre, Fremdkörper mit einem größeren Durchmesser, die sind tatsächlich dann in der Lage, da stecken zu bleiben. Und dann machen die das, was sie ansonsten auch in der Fernbedienung oder in der Uhr machen, nämlich die geben Strom ab. Und dadurch entsteht dort an der Stelle tatsächlich im Endeffekt eine Mischung aus Säuren und Laugen, die dann auch das Gewebe angreifen und auch wirklich ganz schwere Verätzungen und auch sogar Durchbrüche in den Bereich zum Beispiel der Speiseröhre und auch das Magen oder des Dünndarms verursachen können.
00:21:52: Stefan Römermann: Also die Chemikalien in der Batterie sind gar nicht das eigentliche Problem, sondern dass sie da Strom produzieren, Säure produzieren im Rachen.
00:21:59: David Steindl: Ganz genau.
00:22:00: Stefan Römermann: Und dann verätzen. Das klingt in der Tat nicht gut.
00:22:03: David Steindl: Ja.
00:22:03: Stefan Römermann: Also Knopfzellen auch unbedingt sicher aufbewahren und auch Geräte, die Knopfzellen enthalten...
00:22:09: David Steindl: Ja.
00:22:10: Stefan Römermann: ...gut absichern.
00:22:11: David Steindl: Ganz genau. Und dann vielleicht nochmal den Blick auf die Spielsachen. Das ist glaube ich auch nochmal ganz sinnvoll. Es gibt ja auch einen Teil der Spielsachen, die in irgendeiner Form auch eine Stromversorgung mittlerweile haben. Auch da macht es Sinn wirklich zu gucken, was sind denn da eigentlich für Batterien enthalten und braucht man die wirklich oder kann man die sonst auch für eine Zeit, in der das vielleicht sehr attraktiv ist und man das merkt, dass das Ken sowieso schon irgendwie sehr, sehr gerne alle möglichen Dinge probiert, dass man die vielleicht auch raus nimmt in der Zeit.
00:22:32: [Musik]
00:22:40: Stefan Römermann: Was sind so die ein, zwei Dinge, die vielleicht auch gerade Eltern tun könnten, um sich auf Vergiftungsfälle einzustellen, die zwei, drei wichtigsten Tipps, mit denen Eltern für das Schlimmste gewappnet sind?
00:22:50: David Steindl: Das ist auf jeden Fall gut, glaube ich, im Vorfeld, bevor eine Vergiftung auftritt, sich darüber Gedanken zu machen, wie kann man sie verhindern? Und das so wie immer tatsächlich, dass man sich gut informiert und sich auch im Vorfeld, ohne dass wirklich ein Notfall vorliegt, einmal nachliest, was kann denn passieren, mit welchen Substanzen können Kinder gefährdet werden und was sind typische Kindervergiftungen? Und das wäre so der erste Schritt und da eignen sich ja verschiedene Quellen, die man dafür nehmen kann. Das ist teilweise im Internet zugänglich, teilweise gibt's dafür auch Apps, die man auch nutzen kann.
00:23:16: Stefan Römermann: Das BfR hat genau dafür eine App, Vergiftungsunfälle für Kinder, in den App-Stores kostenlos zum Herunterladen. Die kennen Sie auch gut?
00:23:23: David Steindl: Genau, die kenne ich auch gut und das ist tatsächlich eine sehr, sehr gute Quelle, die kann ich auch wirklich bedenklos empfehlen und das ist tatsächlich wichtig, dass man Informationen zu Vergiftungen aus verlässlichen Quellen bezieht und dass man da auf keinen Fall auf Panikmache oder auch auf falsche Informationen hereinfällt, weil die in der Regel sonst mehr verunsichern, als dass sie helfen.
00:23:40: Stefan Römermann: Im Internet sind da auch viel falsche Informationen.
00:23:42: David Steindl: Ja, muss ich ganz klar betonen an der Stelle. Das ist etwas, worauf man wirklich achten sollte, wenn man sich selbst beliest, auch wirklich Quellen zu nutzen, die auch gut hinterlegt sind und die auch idealerweise unabhängig bereitgestellt werden, damit da keine Ängste geschürt werden. Und der nächste Tipp ist tatsächlich einfach, das Zuhause kindersicher zu machen. Das heißt einmal durchzugehen, welche Reinigungsmittel, welche Putzmittel oder welche Fremdkörper müssen denn wirklich im Haus vorhanden sein und wenn man merkt, dass das Substanzen sind, die ich wirklich brauche, weil ich damit irgendetwas reinige, dass man auch wirklich so aufbewahrt, dass Kinder sicher nicht dran kommen. Und das muss man wirklich ausprobieren und auch vielleicht die Kinder da aktiv beobachten, denn es gibt eine Menge Kindersicherungen, die Kinder exzellent überwinden können. Und das Dritte ist tatsächlich, dass man sich einmal im Vorfeld überlegt, was ist das für mich zuständige Giftinformationszentrum, wie ist es telefonisch erreichbar und welche Informationen werden denn typischerweise für so einen Anruf beim Giftinformationszentrum benötigt. Und das kann man sich sehr, sehr gut in einer stressfreien Minute als kleine Checkliste zum Beispiel an den Kühlschrank hängen. Da gibt es auch teilweise Informationsmaterial, was man sich dafür auch nutzen kann. Und dann kann man so einen Anruf dann auch vorbereitet durchführen.
00:24:44: Sonja Schäche: Hier vielleicht auch nochmal der Hinweis auf die BfR-App, Vergiftungsunfälle bei Kindern. Auch hier gibt es so eine kleine Checkliste, wenn man auf den Giftnotruf klickt oder den Notruf. Und hier kann man dann auch direkt aus der App das für das jeweilige Bundesland zuständige Giftinformationszentrum anrufen.
00:25:01: David Steindl: Und das glaube ich, an der Stelle nochmal ein wichtiger organisatorischer Hinweis, dass es wichtig ist, wirklich auch das Giftinformationszentrum zu kontaktieren, was für das eigene Bundesland zuständig ist. Denn tatsächlich wird bei einer Google-Suche meistens alphabetisch ein Giftinformationszentrum vorgeschlagen. Das spiegelt aber nicht unbedingt tatsächlich die Zuständigkeit nach Wohnort wieder und kann dazu führen, dass einzelne Zentren mit einigen Anrufen schnell überlaufen werden und dann einfach ganz, ganz schlecht erreichbar sind.
00:25:24: [Musik]
00:25:32: Sonja Schäche: Zum Schluss würden wir gerne nochmal über das Deutsche Vergiftungsregister sprechen, dass hier bei uns am BfR entsteht. Dort werden ja zukünftig unter anderem auch die Anrufe bei den Giftnotrufen erfasst. Herr Steindl, wir haben vorhin schon kurz erzählt, wie die Anrufe so ablaufen bei Ihnen, aber danach geht die Arbeit ja auch weiter. Ihre Mitarbeiter erfassen, glaube ich, jeden Anruf ganz genau. Was wird da genau festgehalten?
00:25:57: David Steindl: Die Details zur betroffenen Person werden relativ genau erfasst. Also ist das ein Kind, ist das ein Erwachsener? Wie alt war die Person genau? Wie viel hat sie denn gewogen? Wo ist das Ganze passiert und aus welchen Gründen? Also was war die Ursache für die Vergiftung und welche Substanz ist es denn tatsächlich? Und zum Zeitpunkt des Anrufs, welche Beschwerden lagen denn eigentlich schon mal vor und was waren die Dinge, die wir empfohlen haben?
00:26:17: Sonja Schäche: Und wenn ich das richtig verstanden habe, dann gab es auch schon vor dem Deutschen Vergiftungsregister so eine Art Statistik, die Sie geführt haben über Unfälle. Wozu?
00:26:27: David Steindl: Also einerseits hat es einen ganz, ja, sag ich mal, pragmatischen Fokus, denn wir sind ja aus Landesmitteln finanziert und wenn man öffentliche Gelder verwendet, braucht man auch eine Berichterstattung, um zu zeigen, was man damit entsprechend getan hat. Und das andere ist tatsächlich, einen Beitrag zu leisten zur Prävention oder zur Unterstützung von Weiterbildung und Fortbildung. Um zu zeigen, gibt es Substanzen, die neu hinzugekommen sind, Substanzen, die besonders gefährliche Vergiftungen auslösen und welche Substanzen und Substanzgruppen sind vor allen Dingen hauptsächlich beteiligt an Vergiftungen. Und diese Dinge kann man in solchen Jahresauswertungen gut abbilden und das ist der Hauptgrund, weshalb wir das auch bisher durchführen.
00:27:00: Stefan Römermann: Und man kann da auch gefährliche Produkte, bestimmte Fälle, die zunehmen, erkennen. Gibt es da Beispiele für Erfolgsgeschichten, wo Sie sagen, da haben die Giftinformationszentralen auch tatsächlich durch das Sammeln von Daten schon was bewirkt?
00:27:14: David Steindl: Ja, absolut. Also ich denke, eine Erfolgsgeschichte ist die Reglementierung von Lampenöl, die es tatsächlich in der EU ja gab und leider bei Kindern, die das verschluckt haben...
00:27:22: Stefan Römermann: Die sind ja auch häufig farbig gewesen und sahen bunt und spannend aus...
00:27:26: David Steindl: Genau, und die wurden sehr, sehr gerne geschluckt und dann auch tatsächlich leider aber nicht verschluckt in den Magen, sondern zum Teil wieder hochgewürgt und liefen in die Lunge und haben dann schwere Lungenschäden mit auch Lungenversagen auch ausgelöst. Und da gab es tatsächlich durch die Auswertungen, die in den Giftinformationszentren da erfolgt sind, sehr schnell Hinweise darauf, dass hier gefährliche Produkte im Umlauf sind und dann konnte entsprechend auch auf einer regulatorischen Ebene darauf sehr, sehr gut reagiert werden. Der Nachteil ist natürlich ein bisschen, dass es rein in der Vergangenheit diese Auswertung liegt und dass natürlich so ein Jahresbericht, der wird ja nicht am 1.1. des Folgejahres veröffentlicht, sondern der wird ab Januar zusammengestellt und wird dann wahrscheinlich im Bereich von Januar, Februar, März, das heißt im ersten Quartal eines Jahres auch erst fertiggestellt. Und damit haben wir im Endeffekt eine zeitliche Verzögerung, die im schlimmsten Fall ja bis zu 15 Monaten betragen kann. Und Signale, die wir im laufenden Geschäftsjahr, würde ich das mal nennen, bemerken, da funktioniert momentan die Abstimmung vor allen Dingen durch die Telefonkontakte untereinander. Das heißt, wenn Vergiftungsfälle, die besonders auffällig sind, im Beratungsalltag auftreten, dann stimmen wir uns innerhalb der Giftinformationszentren untereinander ab, fragen nach, sind denn ähnliche Fälle oder ähnliche Produkte auch in den anderen Datensätzen vorhanden. Das tragen wir zusammen und können dann so entsprechend auch Informationen weitergeben und nachgeschaltete Behörden auch informieren.
00:28:39: Sonja Schäche: Und beim Deutschen Vergiftungsregister DVR ist jetzt das Besondere, dass die Daten aus ganz Deutschland zusammengeführt werden. Was ist der Unterschied zu der Statistik, die schon vorher erfasst wurde?
00:28:50: David Steindl: Genauso der Vorteil ist tatsächlich, dass man in einem Register Daten vereinheitlicht erfasst. Das ist das eine. Und dass man auch eine Begrifflichkeit verwendet, die auch auf allen Daten dann auch übergreifend angewendet werden kann.
00:29:01: Stefan Römermann: Also man kann bisher die Daten aus den unterschiedlichen Jahresberichten nicht einfach so eins zu eins zusammenzählen, weil die teilweise anders kategorisieren.
00:29:08: David Steindl: Das ist richtig, weil es einfach Definitionsgrenzen gibt oder auch Begrifflichkeiten, die nicht eins zu eins übertragbar sind, sodass man das nicht nahtlos einfach nur zusammenstellen kann und danach eine Gesamtstatistik hat. Das heißt, das ist eine Stärke, die ein Register natürlich bieten kann. Und das andere ist natürlich, dass man hier eine Sammlung von wirklich sieben Datensätzen hat, auch über seltene Vergiftungen. Und dann kann man auch gerade Ereignisse, die in einzelnen Zentren nur selten auftreten, in der Summe auf dem ganzen Blick für Gesamtdeutschland in einer größeren Häufigkeit erfassen und kann auch so viel besser abschätzen, ob es wirklich Einzelfälle sind oder ob nur die einzelnen Zentren sehr, sehr wenige Fälle sehen und deshalb das Gefühl haben, dass es seltene Vergiftungen sind.
00:29:44: Sonja Schäche: Warum ist es überhaupt so wichtig, Trends zu erkennen, wenn die Fallzahlen so klein sind? Ist das dann nicht eh etwas, was gar nicht so wichtig ist, weil das betrifft ja nicht so viele Personen?
00:29:53: David Steindl: Das kann man so tatsächlich jetzt nicht sagen. Ich denke, ein Betroffener ist immer maximal betroffen und ob er dann der einzige in Deutschland ist oder einer von 500 in Deutschland oder 5000, macht dann individuell für das Risiko und auch für das eigene Schicksal nicht so einen großen Unterschied. Und ich denke, der Ansatz sollte ja auch weiterhin sein, wirklich allen Menschen bestmöglich zu helfen. Und das Besondere ist, dass bei Vergiftungstrends zu seltenen Vergiftungen der Blick eines einzelnen Giftinformationszentrums einfach nicht ausreicht, um zu unterscheiden, ob es ein tragischer Einzelfall ist oder ob das ein systematisches Problem ist, was einfach nicht erkannt werden kann in der Perspektive eines Giftinformationszentrums.
00:30:24: Stefan Römermann: Und viele Trends fangen ja vermutlich auch erstmal klein an mit wenigen Zahlen, oder?
00:30:28: David Steindl: Korrekt .... Genau, das ist ganz, ganz richtig. Es gibt immer natürlich den ersten Fall. Und dann ist es wichtig zu erkennen, ob es bei diesem Fall geblieben ist oder ob sich da weitere Fälle hinten dran schließen. Und das ist etwas, da sind wir in Anführungszeichen in Giftinformationszentren einfach blind, weil wir einfach nur kleine Ausschnitte aus dem Gesamtvergiftungsgeschehen sehen. Und wenn wir das zusammen sammeln in einem Vergiftungsregister, können wir diese Fälle natürlich auch besser identifizieren, wenn sie vorliegen.
00:30:50: Sonja Schäche: Gut, dann fasse ich nochmal kurz zusammen. Also man kann mit dem DVR-Trends schneller und früher erkennen, auch welche mit kleinen Fallzahlen und so wahrscheinlich auch präventiv besser reagieren.
00:31:00: David Steindl: Das ist absolut richtig. Man kann einerseits regulatorisch reagieren oder auch tatsächlich in der Reaktion von Rettungsdiensten und auch dem Gesundheitswesen im Allgemeinen kann man darauf besser reagieren. Man kann auch ganz konkret auf die häufigsten Vergiftungen gezielt ärztliche Weiterbildungen und auch medizinische Weiterbildungen hin ergänzen, um dort das Wissen so weit zu verbessern, dass man vielleicht auch nicht für alle Fälle und für alle Aspekte immer zwingend auf einen Giftenruf in jeder Sekunde angewiesen ist.
00:31:23: Stefan Römermann: Fassen Sie es nochmal zusammen. Inwiefern kann tatsächlich so ein Vergiftungsregister helfen, frühzeitig Trends oder eben auch Gefahren zu erkennen?
00:31:31: David Steindl: So ein Vergiftungsregister kann vor allen Dingen dadurch unterstützen, dass es mit einem ganz, ganz geringen Zeitversatz, nämlich typischerweise einem halben Monat bis einem Monat, immer regelmäßig neue Datensätze bekommt. Das heißt, es ist die Möglichkeit, dass hier auch automatisiert Veränderungen erkannt werden können, die nicht davon abhängen, dass es wirklich einem Menschen per se aufgefallen ist, dass hier ein neuer Fall oder eine spezielle Fallkonstellation entstanden ist, was ja bisher der typische Umgang war bei uns in den Giftinformationszentren.
00:31:56: Stefan Römermann: Also wenn wir es ganz praktisch machen, Produkt X kommt auf den Markt und das sieht für Kinder total verlockend aus, sie nehmen es gerne in den Mund, dann kann man das möglichst schnell erkennen oder…
00:32:05: David Steindl: Das ist richtig, genau so. Dann würde man zum Beispiel feststellen, dass dieses Produkt auf einmal überproportional häufig in Vergiftungen genannt wird. Das wäre das eine. Und das andere ist tatsächlich, dass bei auch auftretenden Beschwerden, die so vorher nicht beobachtet wurden, als Beispiel, nehmen wir jetzt mal Augenschäden. Stellen wir uns vor, irgendeine Substanz würde besonders Augenschäden hervorrufen, dann würde auf einmal in einer Gruppe, die bisher gar nicht dafür bekannt war, zum Beispiel Reinigungsmittel, würden auf einmal erhebliche mehr Augenschäden berichtet werden. Und das kann natürlich entsprechend ausgewertet werden und auf ein Produkt zurückgeführt werden.
00:32:33: Sonja Schäche: Der Vergiftungsregister bringt bestimmt sehr viel, gerade in der Früherkennung von Trends, damit man entsprechend reagieren kann. Aber es bringt bestimmt auch eine Menge Arbeit für die Giftinformationszentren. Was würden Sie sich dann wünschen, um die Arbeit der Giftnotrufe noch besser zu unterstützen?
00:32:49: David Steindl: Ja, das ist ein sehr, sehr wichtiger Punkt tatsächlich. Die Arbeit, die zusätzlich anfällt, ist zum Teil in einigen Giftinformationszentren schon abgebildet, durch die Abläufe, die dort auch schon etabliert sind. In den anderen Zentren ist das aber tatsächlich noch nicht der Fall. Das heißt, immer dann, wenn die Dokumentation zum Beispiel noch nicht vollständig elektronisch erfolgt oder die Dokumentation auch gar nicht dem Umfang entspricht, der auch im Vergiftungsregister abgefragt wird, stellt das natürlich einen erheblichen Mehrbedarf an Personal oder auch vielleicht an technischer Ausstattung dar. Und ich denke, was wichtig ist, dass man auch alle Giftinformationszentren für ihre zugedachten Aufgaben befähigt. Das heißt, mit entsprechenden Mitteln, nicht unbedingt nur rein finanziell, aber vor allen Dingen organisatorisch, technisch und auch personell ausstattet, damit sie auch ihre gesamten Aufgaben wahrnehmen können.
00:33:29: [Musik]
00:33:38: Stefan Römermann: Und damit geht unsere Risiko-Folge zu den Vergiftungsunfällen und zum Giftnotruf so langsam zu Ende. Herr Steindl, können Sie vielleicht für unsere Hörerinnen und Hörer noch einmal ganz kurz die zwei, drei wichtigsten Tipps zusammenfassen? Ich sage mal für den Normalbürger: Was sollte man tun, wenn es zum Vergiftungsfall kommt?
00:33:55: David Steindl: Ja, sehr gerne. Also vor allen Dingen bitte Ruhe bewahren, das ist ganz wichtig. Dann einmal überprüfen, gibt es lebensgefährliche Beschwerden, lebensgefährliche Symptome? Also bewegt sich die Person ganz normal, ist sie wach und atmet sie ganz normal? Und wenn das alles der Fall ist, danach in Ruhe überlegen, um welche Substanz geht es genau und dann den Giftnotruf kontaktieren. Und dann, wenn es geht, das zu Hause möglichst giftsicher machen, das heißt Produkte, die man nicht braucht und die gefährlich sind, auch bitte einfach nicht vorhalten. Und wenn man sie aus anderen Gründen wirklich benötigt, so aufbewahren, dass eine Verwechslung ausgeschlossen ist, dass man sie nicht umfüllt in Trinkgefäße - und dass Kinder auch wirklich sicher nicht drankommen.
00:34:29: Stefan Römermann: Und in welchen Fällen unbedingt die 112 anrufen?
00:34:32: David Steindl: Tatsächlich die 112, bitte immer unbedingt dann anrufen, wenn Lebensgefahr wirklich vorliegt, also nicht vermutet wird, sondern vorliegt. Und das ist dann, wenn die Person nicht mehr wach ist, nicht mehr normal reagiert oder ganz offensichtlich Probleme hat mit dem Atmen. Das heißt: zu wenig atmet, gar nicht atmet oder extrem schnell atmet.
00:34:47: Sonja Schäche: Ja, und das war unsere Risikofolge für heute. Unser heutiger Gast war Dr. David Steindl, Notarzt und Leiter des Giftnotrufs der Charité in Berlin. Vielen Dank, Herr Steindl.
00:34:58: David Steindl: Vielen Dank.
00:34:58: Sonja Schäche: Ja, und an unsere Hörerinnen und Hörer vielleicht nochmal der Appell: Speichern Sie die Nummer ihres Giftnotrufs. Bleiben Sie informiert und denken daran: Wissen schützt.
00:35:08: Stefan Römermann: Tja, und wenn Ihnen der Podcast gefallen hat, dann abonnieren Sie am besten gleich auch noch unseren Kanal. Risiko, gibt es so ziemlich überall wo es Podcasts gibt und natürlich auch auf der BfR-Webseite zum Nachhören. Und wenn Sie mögen, schicken Sie uns gerne eine E-Mail mit Lob, mit Kritik oder auch mit Anregungen für Podcast-Themen. Unsere E-Mail-Adresse lautet podcast@bfr.bund.de Und das wars für heute. Am Mikrofon verabschieden sich Stefan Römermann und Sonja Schäche.
00:35:36: Sonja Schäche: Und wir sagen tschüss.
00:35:39: [Musik]
00:35:43: Stefan Römermann: Hier noch ein kurzer rechtlicher Hinweis. Die im Podcast geäußerten Meinungen von externen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern geben ausschließlich deren persönliche Auffassung wieder und entsprechen nicht notwendigerweise der Position des BfR.
00:36:01: [Musik]